Multimediakongress Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen

Am Donnerstag, den 02.09.2010 fand der Multimediakongress in Ludwigshafen statt.

Bei diesem Kongress sollten führenden Persönlichkeiten aus Rheinland-Pfalz die Möglichkeiten und Fortschritte der IT in Rheinland-Pfalz näher gebracht werden.

Hierzu gab es jede Menge Reden und „Diskussionen“, Diskussionen in Anführungszeichen, weil diese lediglich zwischen Moderator und Vortragendem statt fanden, eine Möglichkeit für das Publikum Fragen zu stellen gab es zu keiner Zeit.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde übrigens auf die Twitterwall hingewiesen und dass extra „Scouts“ unterwegs seien, die Interessenten die Plattform „Twitter“ näher bringen und auch die Möglichkeit, selbst zu twittern geben sollten. Leider wurde nur von den Veranstaltern, der ein oder anderen dort vertretenen Firma und mir etwas getwittert. Oder kurz, das Angebot wurde von den Gästen nicht angenommen. Über die Gründe darf spekuliert werden.

Gegen 10:30 wurde die Follow-Up-Studie „IT und Multimediastandort in Rheinland-Pfalz“ vorgestellt. Hierbei wurde präsentiert, welche Wirtschaftsstrukturen in Rheinland-Pfalz vorherrschen, wie die Verbreitung der IT Unternehmen allgemein aussieht usw.

Diese Studie ist übrigens mit öffentlichen Geldern finanziert worden, ist aber urheberrechtlich geschützt, so dass man die Ergebnisse der Studie nicht einfach weiter verwenden kann. Im Internet ist diese Studie ebenfalls nicht zu finden.

Es folgte der Vortrag von Herrn Professor Hubert Wandjo, Business Direktor & Geschäftsführer der Popakademie, um die Möglichkeiten der IT in Multimedia und der Musik zu erläutern.
Professor Wandjo zeigte Möglichkeiten, wie man mit einem Smartphone eines bekannten Herstellers ganz einfach Musik machen, mixen und veröffentlichen kann. Ebenfalls zeigte er, wie man mittels summen bereits Musikstücke auf einem Smartphone komponieren kann. Ferner wurde erläutert, dass der Musiker von heute ein 360° Musiker ist. Er komponiert die Musik, mixt sie, verbreitet sie etc. Was dann jedoch folgte war gelinde ausgedrückt, ein absoluter Fehlgriff des Herrn Professor. Nachdem Professor Wandjo erläutert hatte, dass ein Musiker heute ein 360° Musiker ist, der sich um alles kümmert und auch div. Internetdienste zum Musikdownload zeigt, behauptete er, dass Dienste, wie Bittorrent, The Pirate Bay und Rapidshare illegal seien und nahm sich selbst somit jegliche Glaubwürdigkeit und Professionalität. Leider waren keine Fragen aus dem Publikum möglich, ich hätte ihm gerne erläutert, warum diese Dienste eben NICHT illegal sind.

Die Steilvorlage von Professor Wandjo wurde dann auch gleich von Herrn Kurt Beck aufgegriffen und mal wieder pauschal auf den Downloadern herumgehakt. Dass Dienste, wie Jamendo Musik per Crative Commons verbreiten, somit kostenlos und legal sind, wurde natürlich weder von Professor Wandjo, noch von Herrn Beck erwähnt.

Habe ich schon geschrieben, dass keine Rückfragen möglich waren? Herr Beck erzählte nämlich vom Schutz der Persönlichkeitsrechte. Ich hätte ihn zu gerne zu SWIFT, ELENA, Vorratsdatenspeicherung, oder dem POG befragt und wie er sich hinstellen kann, uns von Persönlichkeitsrechten erzählen, aber gleichzeitig diese ganzen Gesetze etc. durchwinken kann.

Es folgte die übliche Selbstbeweihräucherung, dass man alles ja so toll gemacht habe usw. etc. Auch sagte Herr Beck, dass Netzwerke ja so wichtig seien.

Netzwerke, dieses Stichwort fiel bei JEDEM Vortrag, nur, wurde NIE erwähnt, was man sich darunter vorstellen kann, was mit Netzwerk gemeint sei. Da keine Fragen erlaubt waren, haben wir unsere Fragen getwittert ….. und, wen wunderts – keine Antwort erhalten.

Immerhin wurde ich im Laufe des Tages mehrfach analog geretweeted mit der Aussage, eines vortragenden Professors, die ich getwittert habe und die besagt, dass die Studierenden den Lehrstuhlinhabern meistens vorraus sind.

Nach der Mittagspause gab es dann einen kurzen Vortrag des DFB und wie der DFB ans Netz gekommen ist und sich dort entwickelt hat.

Um 13:45 begannen dann die parallelen Vortragsslots. Zur Auswahl standen „Softwareinovationen für das digitale Unternehmen“ und „eGov 2.0 – Neue Wege der Zusammenarbeit“.

Da mir als Softwareentwickler einige der sog. Softwareinovationen durchaus bewusst sind, habe ich mich für Slot 2 und das eGov entschieden.

Hier wurde von Herrn Loosen-Bach vom Bürgerhaushalt Trier ein wunderbares Beispiel dafür genannt, wie es laufen könnte, dass der Bürger in die Beschlussfindung mit einbezogen wird. Bürger können bei der Stadt Trier über ein Onlineportal Vorschläge einreichen, wo es Einspar- und Verbesserungspotential gibt. Dort werden z.B. die bestbewerteten Vorschläge zur Abstimmung herangezogen und sofern zugestimmt wurde, auch umgesetzt.
Bürgerhaushalt Trier

Des Weiteren wurde von Herrn Prof. Dr. Hampe vorgetragen, was man zukünftig sonst noch so anbieten könne für die Bürger. Hier wurde z.B. ein System angesprochen, bei dem die Bürger mittels ihres Smartphones mit Kamera + GPS Sensor z.B. Straßenschäden schnell melden und beheben lassen können, bevor sie zu groß werden und die Reparaturkosten exponentiell steigen. Sehr positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle übrigens auch, dass der Hr. Prof. Dr. Hampe, der dieses mögliche System vorstellte auch direkt erwähnt hat, dass man auf dem Gebiet der Anonymisierung dieser Daten forsche, da die GPS Daten mit den Bürgerdaten verknüpft ein nicht unerhebliches Datenschutzrisiko bergen.

Ein weiterer Redner war Herr Ewert, der über den ungefähren finanziellen Rahmen der Softwarelösungen sprach. Die Kosten für dieses System belaufen sich auf gesamt ca. 300 000€ und setzen auf ein closed Source ASP System auf. Das bei Änderungen für nicht unerhebliche Beträge geändert werden müsse. Hier hätte ich mir gerne eine Open Source Lösung gewünscht. Naja, man wird ja noch träumen dürfen.

In der zweiten Runde war dann auch Hr. Dr. Böllhoff vom BMI anwesend, der u.A. für die DeMail und den ePerso verantwortlich ist. Leider waren auch hier keine Fragen möglich, daher konnten wir hier keine kritischen Fragen anbringen. So erzählte er, wie alle anderen Referenten vom Projekt D115.

Von Frau Wulff wurde übrigens auch ein Projekt vorgestellt, bei dem es genau anders herum, wie in Trier verlaufen ist. Hier hatten die Bürger von sich aus ein System verwendet, um der Verwaltung Schäden etc. zu melden, welches nun offiziell von der Verwaltung verwendet wird.

Leider war auch ein Vertreter der Industrie, der es gelinde ausgedrückt, mit dem Datenschutz überhaupt nicht ernst nimmt, anwesend und erzählte, dass man alles mit Geodaten verknüpfen müsse und ohne nichts gehen würde. Zudem müsse die Verwaltung zu den Bürgern kommen, als Beispiel nannte er das Paradebeispiel, wie man Datenschutz mit Füßen tritt, Facebook.

Alle Beiträge der eGov Slots hatten jedoch ein Hauptthema, das Projekt D115. Hierbei soll den Bürgern die Möglichkeit einer Hotline an die Hand gegeben werden, bei der man anrufen kann und alles Wichtige über seine Stadt erfährt, wo man z.B. spezielle Formulare erhält usw. Es wurde auch über Schwierigkeiten in diesem Projekt berichtet, als Beispiel wurden Mannheim und Ludwigshafen genannt. Hier wird man sich nicht einig, wie die Rufnummern entsprechend getrennt werden sollen, da beide Städte die gleiche Vorwahl verwenden. Statt einer gemeinsamen Telefonzentrale soll in jeder Stadt eine Installiert werden. Nur wie erkannt werden soll, zu welcher Zentrale ein Anrufer gehört, kann nicht ohne weiteres zugeordnet werden.

Zudem wurde auch mehrfach betont, wie schwierig es sei, Projekte, die über die direkte kommunale Ebene hinausgehen, auf z.B. Landesebene umzusetzen.

Gegen Ende wurde auch das nun 8. Medienkompetenznetzwerk gegründet. Welche Ziele genau damit verfolgt werden und was man damit verbessern möchte, wurde leider nicht erwähnt.

Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich beim Multimediakongress um eine reine Berieselungsveranstaltung handelte, bei der auch nicht ein einziger Referent oder Moderator auf die Idee kam, das Publikum mit einzubeziehen, oder zu fragen. Sie war zweifelsohne hochkarätig besetzt und von großem Interesse. Und fast jeder der Vortragenden verwies auf das Selbstverständnis der „digital natives“, bedeutete aber im gleichen Satz, nicht dazu zu gehören. Deshalb stellt sich auch die Frage, warum nicht ein einziger Vertreter dieser Generation zu den aktiven Präsentanten gehörte.

Sehr negativ ist mir beim Kongress auch die permanente Werbung, Schleichwerbung kann man das schon nicht mehr nennen, für Produkte eines angebissenen Apfel Herstellers, aufgefallen. In JEDEM Vortrag fiel entweder direkt der Produktname, oder es wurde mehrfach ein Produkt dieses Herstellers inkl. Namensnennung gezeigt. Eine Neutrale Informationsveranstaltung sieht anders aus.

Lobend sei hier ein sechsminütiger Filmbeitrag von jungen Leuten des Offenen Kanals erwähnt, der sehr treffend die vernetzte Kommunikation mit Smartphone, Laptop und PC darstellte.

Ich hoffe, der nächste Kongress wird etwas neutraler und vor allem, es wird den Teilnehmern die Möglichkeit, Fragen zu stellen einberaumt.

Grüße aus der Pfalz,

Roman

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Über suppenkelle

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Eine Antwort zu Multimediakongress Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen

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