Netzpartei SPD

Pünktlich zum Aprilanfang hat die SPD nun herausgefunden, dass sie die Netzpartei ist.

Die SPD sucht den Kontakt mit der Netzgemeinde und es wird sich gewundert, dass es nicht reicht, das nur von sich zu behaupten, nein, man muss auch Fakten und Inhalte liefern und ist völlig überrascht, dass der JMStV von sehr vielen Kommentatoren angegriffen und die SPD als nicht diskussionsbereite Partei empfunden wird.

Stelle ich mich hin und sage „ich bin Papst!“ wer glaubt mir? – Niemand. Aus gutem Grund, denn ich bin nicht Papst und kann auch keinerlei gegenteilige Fakten liefern (davon abgesehen, dass ich es gar nicht sein will).

So funktioniert das eben nicht. Man muss etwas dafür tun und man muss Fakten schaffen.

Sehr interessant sind auch die Kommentare, die auf der verlinkten Seite getätigt werden.

So schreibt z.B. Tobias Ludwig vom Ortsverein Wackernheim:

@ Alvar Freude:

Ich finde es gut, dass Sie sich als einer der mehrmals zitiert/verlinkt wurde nun selbst hier äußern.

Wie sie der Diskussion entnehmen können habe ich nie von Ihnen verlangt in Ihrer Stellungnahme eine gänzlich andere Diskussion zu führen. Ich habe nach Vorschlägen zu technischen Möglichkeiten der Einschränkung gefragt. soricsoon hat daraufhin behauptet diese gäbe es längst und Siegfried Schlosser hat mir dann unter anderem den AK Zensur und den AK Vorrat als Quelle genannt. Anschließend habe ich gepostet, dass ich dort die versprochenen Inhalte nicht gefunden habe.

Über den JMStV selbst werde ich nicht debattieren. Das habe ich schon mehrmals erwähnt. Ich will eine davon unabhängige, offene Diskussion über Lösungen.

Gut, also Sie halten technische Lösungen für nicht möglich. Ich halte Medienkompetenz für sehr wichtig und betrachte es als einen Teil des Puzzles. Sie ist aber bei weitem nicht ausreichend.

Welche Lösungen gibt es noch? Wenn mir welche einfallen würden, wäre ich sehr froh, dass müssen Sie mir glauben.

Worauf spielt Herr Ludwig hier an?

Nun in besagtem Kommentar des Nutzers mit dem Nick „soricsoon“ hatte über bereits erhältliche Programme geschrieben, die es Eltern recht einfach machen eine White- bzw. Blacklist für Webseiten einzuführen, zudem kann man mit solchen Programmen auch die Nutzungsdauer des PC für Kinder regeln. Dies erfordert natürlich eine gewisse Medienkompetenz der Eltern und setzt natürlich auch voraus, dass sich die Eltern mit ihren Kindern zusammensetzen, mit ihnen reden und sich mit den Dingen befassen, die ihre Kinder machen.

Seitens SPD möchte man aber weiterhin eine technische Möglichkeit schaffen. Diese technische Möglichkeit, wie sie im JMStV behandelt wird ist allerdings alles andere, als produktiv. Hier gehts zum aktuellen Entwurf des JMStV mit Hervorhebung der Änderungen, die seit dem nach div. Gesprächen getätigt wurden.

Es sollen Sendezeiten für Webseiten eingeführt und Provider in die Pflicht genommen werden. Stellt ein Nutzer eines Forums nun irgendwo einen Link auf einen vermeintlichen ab18 Inhalt (wie auch immer der nun genau aussieht), so muss die komplette Seite als ab 18 gestaltet werden und darf erst ab 22 Uhr erreichbar sein. Ganz großes Kino. Youtube ist dann übrigens auch ab 18. Warum ich an besagtem Portal hänge? Ganz einfach, ich arbeite in der IT-Branche und viele Anleitungen etc. werden inzwischen in Form von Videos dort publiziert. Wird dieses Portal nun erst ab 22 Uhr erreichbar, so werde ich in meinem Beruf durchaus stark eingeschränkt, da ich mich mit vielen neuartigen Technoglogien außeinandersetze und Bilder sagen nun mal mehr, als tausend Worte. Herzlichen Dank hierfür an die „Netzpartei SPD“ die als ursprüngliche Arbeiterpartei nun die Arbeitnehmer stark behindert und bevormundet.

Hier übrigens nochmals der Kommentar von Alvar Freude, der es auf den Punkt bringt (auch wenn es von Herrn Ludwig, wie man oben sieht, nicht verstanden wird):

@Tobias Ludwig: Die oben angesprochene Stellungnahme vom AK Zensur, die zu großen Teilen von mir stammt, bezieht sich auf die Probleme, die mit dem JMStV-Entwurf vom Dezember einhergehen. Die Aufgabe der Stellungnahme ist natürlich nicht, eine gänzlich andere Diskussion zu führen. Und vom AK Vorrat gibt es keine Stellungnahme, weil dieser sich mit dem Thema der Vorratsdatenspeicherung beschäftigt, nicht mit Jugendschutz oder Internet-Filter.

Tatsächlich wird auch von vielen Mitdiskutanten hier der JMStV falsch verstanden und das falsche kritisiert. Eine Stellungnahme zum JMStV von mir gibt es im Artikel Warum Kurt Beck falsch liegt als Gastkommentar in der Süddeutschen Zeitung.

Zuerst möchte ich nochmals betonen, wie erschrocken ich war, als ich im JMStV die Quasi-Kennzeichnungs-Pflicht für Inhalte gesehen habe. Da ist an den Autoren die gesamte Diskussion, die Mitte der 90er und dann in Deutschand nochmal Anfang des vergangenen Jahrzehnts geführt wurde, vorbeigegangen. Vor zehn Jahren habe ich meine Diplomarbeit dazu geschrieben. In den damals geführten Diskussionen wurde alles gesagt — nun kommt es wieder hoch.

Die Frage, wie denn eine technische Lösung aussehen könnte, ist die falsche Frage, denn sie gibt die Lösung schon vor. Die Frage muss lauten, wie Kinder und Jugendliche lernen können, mit dem Netz kompetent umzugehen, um so beispielsweise auch Gefahren rechtzeitig erkennen zu können.

Bei genauer Betrachtung sind alle technischen Lösungen, so toll sie auf den ersten Blick aussehen mögen, untauglich. Das Internet ist kein zweiter Fernseher. Die Erklärung dazu ist aber weitaus umfangreicher, als es die hier erlaubten 3000 Zeichen ermöglichen.

Nur kurz so viel:
Solange jemand nicht versteht, dass mit einer inhaltlichen Vorkontrolle des Netzes – wie sie im JMStV durch die de facto Kennzeichnungs-Pflicht besteht – ein riesiger sozialer und kultureller Raum zerstört wird, ist es natürlich auch irgendwie egal, denn dann ist das alles ja nur eine technische Regulierung.

Und zum Schluss noch eine Anmerkung: in der SPD gibt es ja nun auch einen neuen Gesprächskreis Netzpolitik. Gleichzeitig ist die rheinland-pfälzische SPD daran beteiligt, mit dem JMStV ein Gesetz voranzutreiben, ohne auf die parteinternen und externen Experten zu hören. Hier wiederholt sich das gleiche, was beim Zugagserschwerungsgesetz passiert ist. Wenn die Partei nicht aufpasst, wird dies das zweite netzpolitische Desaster in kurzer Zeit. Das fände ich ehrlich gesagt sehr traurig.

Grüße
Alvar Freude

Also liebe SPD, entweder richtige Diskussion und weg vom JMStV, oder ihr braucht euch über solche Sachen nicht wundern: Wir sind die Netzpartei

Piratige Grüße aus der Pfalz,

Arrrrrrrrrr 🙂

Advertisements

Über suppenkelle

Ordentliches Mitglied der Piratenpartei.
Dieser Beitrag wurde unter Netzpartei, Piraten in der Pfalz, Piratenthemen, SPD veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Netzpartei SPD

  1. Tom schreibt:

    Genial diese Seite 😀 http://www.wir-sind-die-netzpartei.de Aber am besten schaut nochmal nach 22 Uhr dort rein. Es lohnt sich!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s